Offener Brief an die Landratskandidaten

Energiewende 2030
100% Erneuerbare Energie
50% Energieeinsparung

Um die Wende zu 100% Erneuerbaren Energien im Landkreis Pfaffenhofen in Gang zu bringen und möglichst schnell zu einer Vollversorgung aus Energieerzeugungsanlagen in unserer Region zu kommen, sehen wir die folgenden Maßnahmen als vordringlich an:

1. Senkung des Energiebedarfs - Steigerung der Energieeffizienz

  • kommunale Liegenschaften (Schulen, Turnhallen, Bibliotheken, Verwaltungsgebäude, Bäder, ...) mit Vorbildwirkung für die Bürger
  • Private Wohngebäude (Ausweitung der Nutzung des KfW / Bafa - Programms, Energieberatung, ggf. weitere Anreize durch den Landkreis und die Gemeinden)
  • Unternehmen und Betriebe im Landkreis / in der Gemeinde

Erstellen von Energienutzungsplänen auf Landkreis- und Gemeindeebene
Ein Energienutzungsplan analysiert den Energieverbrauch und die Energieversorgung im Bereich einer Kommune, stellt die Potenziale für Einsparungen sowie die Möglichkeiten der Erzeugung erneuerbarer Energie dar, formuliert in einem Maßnahmenkatalog konkrete Zielsetzungen und mündet in die Umsetzung erster Projekte.

 

2. Gründung einer Energieagentur

(auf Landkreisebene oder evtl. im Verbund mit Nachbarlandkreisen)
Anregungen und Orientierung bei bestehenden Agenturen

  • Energieagentur Nordbayern: betreut inzwischen 22 Landkreise in Nordbayern

  • EZA - Energie - und Umweltzentrum Allgäu

  • ZEN-Ensdorf (Zentrum Erneuerbare Energien im Kloster der Salesianer Don Boscos in Ensdorf, LK Amberg-Sulzbach)

  • Eine Energieagentur kann viele der unten genannten Aufgaben und Maßnahmen unterstützen, betreuen und voranbringen. Sie ist Berater und Dienstleister für Landkreis, Kommunen, Unternehmen und Bürger.

3. Kommunale Aufgaben

  • Einführung eines kommunalen Energiemanagements

  • Vorangehen der Kommune im Bereich Gebäudedämmung

  • Erhöhung der Sanierungsquote (energetische Sanierung von Altbauten)

  • Definition fester Standards für Neubauten (Passivhaus-Standard)

  • Weiterbildung der Mitarbeiter in den Behörden

  • Beratung bei der Gestaltung von Baugebieten

4. Ausbau erneuerbarer Energien

aktiv unterstützen und Potenziale ermitteln

  • Aufbau von Nahwärmenetzen in Städten, Wohn- und Neubaugebieten.

  • Ausweisung von Vorranggebieten für Windkraftanlagen in enger Abstimmung mit den Gemeinden und den Bürgern vor Ort.
    Errichtung am besten mit Bürgerbeteiligung (erhöhte Akzeptanz in der Bevölkerung)

  • Errichtung von Bürgersolaranlagen auf Dächern und ggf. auf Freilandflächen

  • Errichtung von weiteren Biogasanlagen (bevorzugt Biomüll, Reststoffe aus Landwirtschaft, Gewerbe und Kommunen) mit Abwärmenutzung und/oder Einspeisung in das Gasnetz.

5. Bürgerinnen und Bürger einbinden

  • Bürgerbeteiligung, z.B. bei Windparks oder Solaranlagen

  • Verbesserung der Bürgerinformation und -beratung

  • Unterstützung bei der Umweltbildung an Schulen

Der Prozess der Energiewende hin zu 100% Erneuerbaren aus und für den Landkreis / die Kommunen läuft erfahrungsgemäß in jeder Gemeinde auf eine andere Art und Weise ab. Der Einstieg richtet sich nach den lokalen Randbedingungen und sicherlich auch nach den aktuell laufenden Projekten in der Gemeinde.

Es gibt keine Konzepte von der Stange! Es ist wichtig, zunächst Impulse zu geben, Raum für Ideen und eine Neuausrichtung der örtlichen Planungen zu schaffen.

Auswirkungen auf die Region

Mit der Energiewende holt sich die Kommune einen erheblichen Teil der Wirtschaftskraft zurück, bei einer 100%-igen Eigenversorgung sogar ALLES.

Derzeit fließen mehr als 100 Mio Euro (1) der Bürger im Landkreis für Energie, das heißt Wirtschaftskraft, aus dem Landkreis ab in Länder die Öl, Erdgas und Uran exportieren oder an große Energiekonzerne, die häufig im Ausland investieren. Es haben sich Strukturen gebildet, die weit entfernt sind von einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Entwicklung der Region.

Eine Energiewende löst eine Steigerung der Nachfrage nach Handwerkerleistungen vor Ort aus. Zusätzlich kann auf bereits vorhandenes Fachwissen (Ingenieure, Handwerksbetriebe, Energieberater, Architekten, Anlagenbau ...) zurück gegriffen werden. Bürger und Unternehmen investieren in Projekte vor Ort, der Zuwachs an regionaler Wirtschaftskraft führt zu mehr Steuereinnahmen für die Kommunen.

Die Gründung von Genossenschaften, an denen sich Bürger beteiligen können, und regionaler Entwicklungs-Fonds örtlicher Banken, die die Finanzierung der kommunalen Energiewende stützen, schaffen Sicherheit und Transparenz und fördern die Wirtschaft unserer Region. Zudem findet das Kapital der Landkreisbürger eine krisensichere, soziale sowie ökologisch und ökonomisch sinnvolle Anlageform in der Region.

Insbesondere kann auf diese Weise die Identifikation der Bürger mit ihrer Gemeinde gestärkt werden. Im Idealfall sind sie an "ihrem" Biomasse-Heizkraftwerk, "ihrer" Windkraftanlage, "ihrem" PV-Netz auf den kommunalen Dächern direkt beteiligt.

Die Ausrichtung der örtlichen Wirtschaftsstruktur auf eine nachhaltige Energieversorgung sorgt auch für eine Sicherung, im Idealfall den Zuwachs von Ausbildungsplätzen in zukunftssicheren Berufssparten vor Ort, dort wo die Menschen leben.

Wir laden alle politischen und gesellschaftlichen Gruppierungen ein, das Konzept zu bewerten, zu diskutieren und an einem in die Zukunft weisenden Plan für unsere nachfolgenden Generationen mitzuwirken.

Otmar Schaal, Siefried Ebner
Arbeitskreis Energie
Bund Naturschutz Pfaffenhofen

(1) Grobe Schätzung des Arbeitskreises Energie im Bund Naturschutze Pfaffenhofen. Zum Vergleich: Die Energieagentur Nordbayern (vormals Oberfranken) gibt für jeden der 22 Landkreise, die sie betreut, sogar 150 - 200 Mio. € an. Der Landkreis Pfaffenhofen dürfte wohl eher in diesem Bereich liegen. Eine genaue Erfassung dieses Wertschöpfungsverlustes ergibt sich aus den Daten, die man aus dem Energienutzungsplan erhält.

Offener Brief an die Landratskandidaten

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