Position der Kreisgruppe Pfaffenhofen

Pressemitteilung der Kreisgruppe Pfaffenhofen des BUND Naturschutz vom 14.04.2016

In der aktuellen Diskussion zur Windkraft im Landkreis Pfaffenhofen wurde auch immer wieder der BUND Naturschutz angesprochen. Wir möchten deshalb die Position des BN hier zusammenfassen.

Naturschutz + Klimaschutz – der Weg des BN

Die Diskussion um die Windkraft fand innerhalb des BN bereits vor über 15 Jahren statt, mit genau den gleichen Aspekten, wie man sie auch in der aktuell geführten Diskussion im Landkreis wiederfindet. Es war ein langer und schwieriger Prozess, denn die Mitglieder befanden sich in einem klassischen Zielkonflikt: Natur und Landschaft bewahren und gleichzeitig das Klima schützen und die Energiewende ohne Kohle-, Öl, Gas- und insbesondere Atomkraft schaffen. Es gab harte Diskussionen zwischen den Naturkonservativen und den eher technisch orientierten Klimaschützern. Deshalb können die folgenden Positionen als Ergebnis dieses langen und schweren Prozesses angesehen werden, in das alle Aspekte, die auch heute diskutiert werden, eingeflossen sind.

Aus dieser Grundhaltung heraus wurden folgende Positionen entwickelt. Die Aussagen stammen aus den aktuellen Veröffentlichungen des BUND Naturschutz Bayern und unseres Bundesverbandes BUND zur Windkraft.

 

Die grün hinterlegten Passagen stammen aus folgender Veröffentlichung:

[Dr. Herbert Barthel, Referent für Energie und Klimaschutz: ENERGIEWENDE – WINDENERGIE UM WAS GEHT ES?]

Naturschutz + Energie für Bayern und den Landkreis Pfaffenhofen

Menschen in Bayern verbrauchen Energie und benötigen Strom. Der BUND Naturschutz vertritt die Meinung: Wir haben den Auftrag, den von uns verbrauchten Strom mit Erneuerbaren Energien zum machbar großen Teil vor Ort zu produzieren, denn wir tragen Verantwortung für nachkommende Generationen. Bayern benötigt Klimaschutz. Bayern benötigt daher Erneuerbare Energien, also auch Strom aus Windenergie. Der BUND Naturschutz hat mitgewirkt an der Entwicklung des „Winderlasses Bayern“ vom Dezember 2011. Er enthält klare Vorgaben zum Schutz von Landschaft und Natur bei der Erarbeitung von Regionalplänen zur Windnutzung: Verordnungen zum Schutz von Vögeln und Federmäusen, Vorgaben zum Schutz der Bewohner durch Lärmschutz und Schutz vor Schattenwurf.

Der BUND Naturschutz stellt fest, dass Windkraftanlagen nicht die zentrale Todesursache für Vogelarten in Deutschland sind und dass es zahlreiche andere Vogelverluste an Anlagen der technischen Infrastruktur gibt: an Gebäuden, an Stromleitungen und im Straßenverkehr. Diese Verluste können – im Gegensatz zum Vogelschlag an Windrädern – ganze Populationen gefährden. Der BUND Naturschutz kämpft gegen unsinnige Straßenbauprojekte – der Straßenverkehr ist für viele Wildtiere in Deutschland die Todesursache Nummer eins! Der BUND Naturschutz kämpft gegen unsinnige Gewerbegebiete und gegen zu viele Stromleitungen – an Gebäuden und an Stromfreileitungen kommen in Deutschland Tag für Tag zahlreiche Vögel zu Tode!

Der BUND Deutschland kommt nach umfangreicher Diskussion zu dem Befund, dass Windenergieanlagen deutschlandweit keine Populationen von Tierarten bedrohen, bei Berücksichtigung einer fachlich und naturschutzfachlich qualifizierten Standortwahl von Windkraftanlagen.

Der BUND Naturschutz weist darauf hin, dass für viele Arten, auch seltenere wie den Rotmilan, die Landnutzungsänderungen bis hin zu massiver illegaler Verfolgung leider die entscheidende Rolle für deren Bedrohung und Rückgang spielen.

Wenn man sich für den Artenschutz bedrohter Vögel einsetzt, dann muss man dafür sorgen, dass Stromfreileitungen vogelsicher umgerüstet werden oder weitere Stromtrassen verhindert werden. Genau dies tun Umweltverbände wie der BUND Naturschutz. In diesem Kontext unterstützt der Ausbau der Windkraft vor Ort die Strategie des BN, weitere Stromtrassen zu vermeiden, die eine der Haupttodesfallen für Vögel darstellen. Denn Strom, der hier erzeugt wird, muss nicht aus dem Norden nach Bayern und in den Landkreis transportiert werden.

Eines der Kernprojekte der Kreisgruppe Pfaffenhofen ist der Schutz der Kröten durch Krötenzäune entlang unserer Straßen im Landkreis. Es ist interessant zu beobachten, wie viele Menschen im Landkreis leben, die sich, veranlasst durch die Windkraft, Sorgen um Vögel und Wildtiere machen. Unsere Autos und die Menschen, die damit fahren, sind eine echte Bedrohung für den Bestand der Kröten. Der BN hat auch hier nicht gefordert, dass man Straßen und Autoverkehr verbieten soll. Freiwillige Helfer des BN sorgen dafür, dass die jungen Kröten nicht zu Tausenden schon in den ersten Lebenstagen niedergewalzt werden.

Naturschutz und Energiewende von unten

Der BUND Naturschutz fordert mehr Gerechtigkeit bei der Energieversorgung und deshalb eine „Energiewende von unten“, das heißt: Energiepolitik für Bürger durch Bürgerenergiegesellschaften. Energieversorgung gehört in die Hand der Kommunen und der Bürgerinnen und Bürger – und nicht in die Hand einiger weniger Großkonzerne.

Die Vorgehensweise, die die 19 Gemeinden und der Landkreis Pfaffenhofen gewählt haben, ist vorbildlich. Wir unterstützen die Vorgehensweise, zunächst Teilnutzungspläne zu erstellen, in denen dann Bebauungspläne für Windkraftanlagen aufgestellt werden. Dabei können alle Belange der Bürgerinnen und Bürger eingebracht und berücksichtigt werden.

10H-Regelung abschaffen

Der BUND Naturschutz geht davon aus, dass die am 21.11.2014 in Kraft getretene Änderung der Bayerischen Bauordnung mit Einführung einer Abstandregelung Windräder zur Wohnbebauung von 10 Mal der Höhe, also typischerweise ca. 2000 Meter Abstand, sehr schädlich sein wird für die Energiewende und für den Natur- und Landschaftsschutz.

Diese unsinnige Regelung beschädigt zugleich massiv die Regionalplanung. Der BUND Naturschutz kämpft dafür, dass diese unsinnige Regelung möglichst bald wieder fällt, aus Gründen des Atomausstiegs, des Klimaschutzes und aus rechtlichen, politischen und wirtschaftlichen Gründen.

Der BUND Naturschutz in Bayern e.V. erhält kein Geld für Windräder und nimmt auch kein Geld hierfür an.

Der BUND Naturschutz ist ein gemeinnütziger Verein, der ideelle Ziele des Natur- und Landschaftsschutzes verfolgt. Seit dem Bestehen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes hat sich der BUND Naturschutz in keinem Projekt der Windenergie wirtschaftlich oder finanziell engagiert.

Weder der BN-Bayern, noch die Kreisgruppe Pfaffenhofen nimmt zweckgebundene Spenden von Personen oder Firmen an. Dies ist eindeutig in der Satzung geregelt. „Diese Regelung macht uns nicht reich, stärkt aber unsere Unabhängigkeit, die es uns ermöglicht, unsere Ziele 1:1 zu verfolgen,“ unterstreicht die Geschäftsführerin Christine Janicher-Buska der Kreisgruppe Pfaffenhofen. Wenn sich BN-Mitglieder an Bürgerenergiegenossenschaften beteiligen, handeln sie als Privatpersonen und setzen die oben beschriebene gewünschte Bürgerbeteiligung an der Energiewende um.

Mit dem Energiedreisprung zum Ziel

Im Verständnis des BUND Naturschutz besteht die Energiewende aus drei Komponenten, die gleichzeitig angepackt werden müssen: Energiesparmaßnahmen, Steigerung der Energieeffizienz und der Einsatz regenerativer Energien. Diese drei Schritte finden sich auch in allen Energienutzungsplänen der Gemeinden. Nur in dieser Kombination können wir die Energiewende in unserem Landkreis schaffen.

Der eigentliche Fokus muss in den nächsten Jahren auf der Reduktion des Kohlestroms liegen. Besonders schädlich ist die Braunkohle mit sehr hohen C02-Emissionen, dabei wird nur etwa 30% der verbrannten Kohle in Strom umgewandelt, der Rest wird ungenutzt an die Umgebung weggekühlt. Der BUND-Naturschutz verurteilt diese miserable Bilanz, denn das bedeutet, dass etwa 70% des CO2-Ausstoßes für die sinnlose Erwärmung der Umgebung entsteht. Hinzu kommt, dass beim Tagebau ganze Landstriche inklusive Orte, Wälder und Wiesen weggebaggert werden. Hier wächst kein Gras mehr, hier leben keine Eulen mehr und die Menschen werden aus ihren Heimatorten umgesiedelt.

Dieser Strom wird dann über Hochspannungstrassen zu uns nach Bayern transportiert. Dabei wird die Landschaft quer über Wiesen und Wälder zerschnitten, vorbei an Wohngebieten – hier gilt keine 10H-Regelung! Dabei werden hektarweise Waldflächen dauerhaft gerodet und hässliche Schneisen in die Wälder geschnitten. Diese Eingriffe stehen in keinem Verhältnis zu den relativ geringen Flächen, die ein Windrad im Wald beansprucht.

Wir können diese schmerzhaften Eingriffe in die Landschaften eindämmen und künftige Stromtrassen verhindern, wenn wir unseren Strom hier vor Ort erzeugen. Dazu müssen wir auch Eingriffe in das Landschaftsbild bei uns vor Ort akzeptieren. Der Ausbau der Windkraft im Landkreis Pfaffenhofen wird künftig auch die Wertschöpfung bei der Energieerzeugung in der Region belassen und die lokale Wirtschaftskraft stärken.

Die nachfolgenden Generationen werden uns für diesen Schritt in die regenerative Energiezukunft dankbar sein. Es gibt keine Alternative zur Energiewende im Landkreis.

Otmar Schaal, Siegfried Ebner
BUND Naturschutz Pfaffenhofen, Arbeitskreis Energie