Die Malven-Langhornbiene und ihre Artenschützer vom Bund Naturschutz 2015

17.07.2015: Pressemitteilung der Bund Naturschutz Ortsgruppe Reichertshofen, Baar-Ebenhausen, Pörnbach

von links nach rechts Manuela Hertel, Josef Schweigard, Dr. Paul Westrich, Edgar Munz

Die Ortsgruppe Reichertshofen des Bundes Naturschutz bekam spontanen Besuch von Dr. Paul Westrich aus Tübingen. Er ist Experte auf dem Gebiet der Wildbienen und Autor des Buches "Wildbienen - Die anderen Bienen". Anlass des Treffens war der Schutz der seltenen Wildbienenart Langhorn-Malvenbiene (Eucera macroglossa), um den sich die Ortsgruppe Reichertshofen seit nunmehr sechs Jahren bemüht.

Diese sehr seltene Wildbiene lebt ausschließlich vom Pollen und Nektar der Rosenmalve (Malva alcea). Um ihren Bestand zu sichern, scheut der Bund Naturschutz keine Mühen, die Standorte der Rosenmalve zu erhalten. Heuer wurde jede Malve am Straßenrand mit einem Pflock markiert. Die Bauhöfe von Reichertshofen und Hohenwart haben diese markierten Malven beim Mähen der Straßenböschung stehen lassen.

Gemeinsam mit Westrich nutzte man die Gelegenheit zu einer Begehung des Wildbienenreviers rund um den Windsberg bei Freinhausen. Neben dem Experten konnte auch Christian Fahnenschreiber, Hobby-Insektenforscher aus Neuburg vieles über das Leben der Wildbienen berichten. Dieses Wissen ist wiederum wichtig, um Schutzmaßnahmen zur Arterhaltung zu unternehmen.

Das Revier beherbergt noch weitere seltene Tier- und Pflanzenarten, über die sich die Aktiven ein Bild machen konnten. Dies ist von großem Nutzen für das in Planung befindliche Sandachsen-Projekt, bei dem bereits bestehende, unter Schutz gestellte, Flächen zu einem Biotopverbund zusammengefasst werden sollen.

Diese wertvollen Lebensräume müssen erhalten bleiben. Nur in solchen Schutzgebieten  gibt es noch artenreiches Tier-und Pflanzenleben.

Beim vierstündigen Rundgang konnte Westrich zahlreiche Malvenbienen fotografieren. Er will die Bilder in einem neuen Buch über Wildbienen verwenden. Die Aktionen der Reichertshofener Bienenschützer lobte er. Noch nie habe er erlebt, dass sich eine Gruppe von Menschen so intensiv und erfolgreich um den Erhalt einer einzelnen bedrohten Bienenart bemüht hätten. Am Kaiserstuhl in Baden, einem der wenigen anderen Vorkommen der Malvenbiene, wolle er anregen, dass ihm bekannte Naturfreunde in ähnlicher Weise tätig würden.

Manuela Hertel

22.09.2015 :Sie mögen‘s heiß. Ein Wunschsommer für die Malven-Langhornbienen

Seit nunmehr sechs Jahren setzen sich aktive Mitglieder des Bundes Naturschutz (BN) der Ortsgruppe Reichertshofen für den Schutz der Malven-Langhornbiene (Eucera macroglossa) ein. Dies ist eine sehr selten vorkommende Wildbienenart mit nur noch vier bekannten Standorten in Deutschland.

Bereits im zeitigen Frühjahr, noch lange bevor die ersten Bienen flogen, galt es erst einmal die Standorte der fast einzigen Nahrungsquelle, der Rosenmalven (Malva alcea) zu sichern. Diese sind rund um den Windsberg bei Freinhausen zu finden. Zusammen mit der Unteren Naturschutzbehörde, den Bürgermeistern von Reichertshofen und Hohenwart, sowie Mitarbeitern der zugehörigen Bauhöfe und des Straßenbauamts Ingolstadt haben die Mitglieder der BN-Ortsgruppe vereinbart, die Pflanzen mit Pflöcken zu kennzeichnen. Diese Markierung soll verhindern, dass die Rosenmalven abgemäht werden.

Die Beobachtungen erbrachten in diesem Jahr ein erfreuliches Ergebnis. In der knapp zweimonatigen Flugzeit im Juli und August konnten fast doppelt so viele Malven-Langhornbienen gezählt werden wie vergleichsweise im Vorjahr.

Dies ist zum einen dem extrem warmen Sommer zu verdanken. Denn die Wildbienen mögen's heiß. Je wärmer es ist, desto emsiger sammeln die Weibchen Pollen und Nektar. Zum anderen blühten an neuen Standorten viele zusätzliche Rosenmalven, die die Insekten von ihren Bruthöhlen aus erreichen konnten. Sie fliegen vermutlich mehr als einen Kilometer weit.

Ein Höhepunkt in diesem Jahr war der Besuch des Wildbienenexperten Dr. Paul Westrich aus Tübingen. Er arbeitet derzeit an einem neuen Buch über Wildbienen und wird auch Fotos der Malven-Langhornbienen vom Windsberg darin aufnehmen. Ferner lobte er das Engagement der Ortsgruppe Reichertshofen.

Erstmals gelang es über das Internet mehr über den hessischen Standort der Malven-Langhornbienen zu erfahren. Am "Griesheimer Sand", einer späteiszeitlichen Sanddüne bei Darmstadt, sind die geologischen Verhältnisse denen am Windsberg ähnlich. Eine Hobby-Forscherin aus der Gegend nahm mit den Reichertshofenern Verbindung auf. Seither werden Beobachtungsergebnisse und Fotos ausgetauscht.

Robert "Dackel" Hirmer, bekannt als Musiker und Hobbyfotograf von Schmetterlingen und anderen Insekten, kam der Bitte eines der Bienenzähler nach und fotografierte bei einem gemeinsamen Beobachtungstermin (siehe Foto).

Die Beobachtungen dieses Sommers zeigen: Die Population der vom Aussterben bedrohten Malven-Langhornbiene am Windsberg ist scheinbar stabil. Wie wird es aber 2016 sein? Wohl kaum wird es gleich wieder einen für die Art so günstigen Sommer geben. Die Beobachtungen werden fortgesetzt.

Manuela Hertel, Bund Naturschutz Reichertshofen