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OG Wolnzach / Rohrbach

Den "Malabi" am Windsberg geht es prächtig, aber nicht überall in Deutschland

Elf Jahre ist es her, dass Klaus Mandery, der die Liste der vom Aussterben bedrohten Wildbienen in Bayern führt, auf die Mitglieder der Bund Naturschutz-Gruppe Reichertshofen-Pörnbach-Baar-Ebenhausen (BN) zukam. Er berichtete von der Wiederentdeckung eines seit 1940 ausgestorbenen Insekts, der Malven-Langhornbiene. Er fragte: "Wollen Sie im nächsten Sommer nach der Malven-Langhornbiene suchen?"

2003 war nur e i n Exemplar gefunden worden. Nun galt es, im Sommer 2010 nachzuforschen, ob die Art am Windsberg noch fortlebte. Die BN-ler stürzten sich begeistert in diese Aufgabe und suchten nach einem festgelegten Plan nach den Malabi, wie sie die Biene "tauften". Wirklich fanden sie 21 Exemplare.Die Aufgabe war leicht, weil die Malabi, um Pollen zu ernten und Nektar zu trinken, nur eine einzige Pflanzenart befliegt, nämlich Malven. Ihr Wirtshaus am Windsberg hat das Schild "Rosa Malve" (Malva alcea). Die BN-ler ließen also die ca. 200 anderen Blütenpflanzen des Windsbergs links liegen und liefen von Malve zu Malve. Aus Freude über diesen Erfolg zählten sie jedes Jahr weiter. Wer ein Tier am Leben erhalten will, muss es füttern. Die BN-ler waren erfolgreich, die Rosa Malven im Revier zu vermehren. 2015 zählten sie fast 300 Malabi, und jedes Jahr wurden es mehr. 2019 begannen Teile der Malabi nach neuen Weidegründen zu suchen. Sie fanden sie nördlich und westlich des Windsbergs.

Vergangenen Sommer konnten dort über 500 gezählt werden, am Stammgebiet Windsberg über 600. Die Gesamtzahl für beide Reviere lag bei 1153. Ein schönes Beispiel dafür, was wir Menschen für unsere wild lebenden Mitgeschöpfe tun könnten! Leider ist die Gesamtzahl der Fluginsekten weiter rückläufig. Der Wildbienenexperte Erwin Scheuchl, der heuer wieder am Windsberg kartierte, bestätigte diesen Trend. Andererseits teilte er mit, dass er im Gebiet nördlich des Windsbergs (große und kleine Sandgruben) ca. 50 bisher noch nicht bekannte Arten kartieren konnte. Damit ist die Anzahl der bekannten Wildbienenarten im Gebiet der Paartaler Sanddünen von 103 (2019) auf mehr als 150 (2021) gewachsen.

Die BN-Gruppe hält Kontakt zu den wenigen Orten in Deutschland, wo die Malabi noch vorkommt: an Kaiserstuhl, Kyffhäuser und am Griesheimer Sand bei Darmstadt. Überall dort wird sie beobachtet von naturbegeisterten Laien. 

Nur in Sachsen-Anhalt gab es seit fünf Jahren einen ständigen Rückgang, 2020 nur noch ein einziges gemeldetes Exemplar bei Dessau. Einer der Bienenzähler forschte deshalb auf eigene Kosten fünf Tage in diesem Bundesland, konnte aber keine Malabi mehr finden. Es überwiegt dort industriell geprägte Landwirtschaft. Ein weiterer Grund für das Verschwinden der Art könnte sein, dass dort an sechs je 20 Quadratkilometer großen Flächen je 16 Insektenfallen (Malaise- und Fensterfallen) stehen. Dort werden Insekten getötet, nur um sie zu zählen. Für ihr Überleben sorgt niemand. 

Peter Bernhart